Warum letzte Worte vielsagend sind

The silver swan, Orlando Gibbons‘ Madrigal, schwebt in edler Melancholie durch den Raum. Der Text erzählt vom Schwan, der erst beim Sterben süß zu singen beginnt. Das ist der sprichwörtliche Schwanengesang.

Doch was singt der Schwan? Nicht „Mein Leben war wunderbar“, die letzten Worte von Ludwig Wittgenstein, die auf manchen Traueranzeigen nachträglich Verstorbenen in den Mund gelegt werden. Auch nicht „Mehr Licht!“, Goethes letzte Worte.

Der Schwan singt: „In diesen Zeiten gibt es mehr Gänse als Schwäne, mehr Törichte als Kluge.“ Viele Interpretationen dieses Madrigals verklingen in leiser Schönheit. Gestern wurde es mit einem nachdrücklichen, besorgten Mezzoforte beendet.

Was möchten wir als letzte Musik erklingen lassen? Welches Fazit möchten wir hinterlassen? Was können wir bis dahin noch tun, um diese Welt lebens- und liebenswert zu machen?

Foto: Maria Ivanova auf Unsplash

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